Finkenwalder Rundbriefe


Ankündigung
eines
Buchprojektes:

Die Vorgeschichte
Das Quellenmaterial
Die Fragestellung
Die Herausgeber
Erscheinungsdatum
Subskriptionsverfahren


Die Vorgeschichte

Im Chr. Kaiser Verlag und später im Gütersloher Verlagshaus sind in den Jahren 1986-1999 die Dietrich Bonhoeffer Werke in 16 Bänden und einem Registerband erschienen. Damit liegt die erste Gesamt-Ausgabe der Werke des Theologen Dietrich Bonhoeffer vollständig vor. Manche Bände wurden inzwischen in 2. oder 3. Auflage gedruckt. Die Ausgabe umfasst rund 10.000 Seiten. Neben den Büchern, die der 1945 von den Nationalsozialisten ermordete Theologe und Widerstandskämpfer noch zu Lebzeiten für den Druck autorisierte, dokumentiert die Ausgabe in den Bänden 9 bis 16 auch Briefe, Tagebuchaufzeichnungen, Aufsätze und Predigten. Eine englischsprachige Fassung aller Bände steht vor dem Abschluss. Die italienische Ausgabe bietet die Bände 1 bis 8 und eine zweibändige Auswahl aus den Dokumentenbänden.

Band 14 der Bonhoeffer Werke dokumentiert die „Illegale Theologenausbildung: Finkenwalde 1935-1937“. Für diesen Band 14 kam nur ein geringer Teil des Materials der Finkenwalder Rundbriefe in Betracht – derjenige Teil der Rundbriefe, der nicht von Bonhoeffer selbst, sondern von seinen Predigerseminaristen verfasst ist, blieb unberücksichtigt, ebenso die meisten Beilagen. Außerdem reicht das Material, das unter dem Begriff "Finkenwalder Rundbriefe" zusammengefasst wird, über das Ende von Finkenwalde 1937 hinaus.

Die Idee, die Finkenwalder Rundbriefe von 1935-1946 mit allen Beilagen in einem eigenen Ergänzungs-Band zu dokumentieren, blieb bei der Werk-Ausgabe des Gütersloher Verlagshauses unerledigt. Dass ein so umfangreiches Material weiterhin öffentlich nicht zugänglich war, wurde zunehmend als Mangel empfunden. Umso erfreulicher ist, dass das Projekt nunmehr realisiert werden kann, da sich mittlerweile Herausgeber (Dr. Ilse Tödt und Dr. Karl Martin) und Verlag (Fenestra-Verlag) gefunden haben.

Das Material der Finkenwalder Rundbriefe, ca. 500 Seiten umfassend, macht deutlich, wie Bonhoeffer in Finkenwalde gearbeitet und so für sein theologisches Denken die spätere Breitenwirkung vorbereitet hat. Ein Zugänglichmachen der Finkenwalder Rundbriefe wird eine wichtige Ergänzung für die Bonhoeffer-Forschung zur Verfügung stellen.

Das Quellenmaterial

Seit 1996 verwahrt die Staatsbibliothek zu Berlin den Nachlass Dietrich Bonhoeffers und Eberhard Bethges. Bonhoeffer wurde im April 1945, gerade 39 Jahre alt, ermordet. Sein Freund Eberhard Bethge vermochte es, den Nachlass Bonhoeffer durch schwere Zeiten hindurch und unter schwierigsten Bedingungen zu retten. In den folgenden Jahrzehnten ergänzte er den Nachlass sorgsam, bevor er ihn in die Obhut der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin gab.

In den Beständen der Staatsbibliothek finden sich auch die Finkenwalder Rundbriefe, es fehlen bisher jedoch die umfangreichen Beilagen dazu. Mit dem Publikationsprojekt soll das gesamte zu ihnen gehörende Material zusammengestellt, gesichtet und wissenschaftlich analysiert werden. Gleichzeitig mit der Materialzusammenstellung soll eine wissenschaftliche Einführung, Analyse und Kommentierung erstellt werden. Nach Abschluss der geplanten Publikation soll das Material ebenfalls in die Hände der Staatsbibliothek zu Berlin gelangen.

Der Bonhoeffer-Schüler Otto Berendts hatte mit dem Sammeln der Finkenwalder Rundbriefe mit allen Beilagen und Zusatzmaterialien für eine Drucklegung begonnen, konnte sein Vorhaben aber vor seinem Tode 2009 nicht vollenden. Das von ihm zusammengestellte Material übergab er rechtzeitig in die Hände der renommierten Bonhoeffer-Forscherin Dr. Ilse Tödt, die Otto Berendts schon beim Sammeln und Sichten unterstützt hatte. Den persönlichen Kontakt zu Dr. Karl Martin, der im Rahmen seiner Tätigkeit als Vorsitzender des Dietrich-Bonhoeffer-Vereins (dbv) von diesen Aktivitäten gehört hatte und seine Mitarbeit anbot, konnte er noch aufnehmen. Beiden übertrug Otto Berendts die Aufgabe, das Projekt der Veröffentlichung der Finkenwalder Rundbriefe zu Ende zu führen.

Während Dr. Ilse Tödt, wohnhaft in Hannover und Heidelberg, ihre Kontakte zur Forschungsstätte der Ev. Studiengemeinschaft e.V. in Heidelberg in die Zusammenarbeit einbringen kann, verfügt Dr. Karl Martin, wohnhaft in Berlin, über die Nähe zu den Berliner Forschungseinrichtungen (Bonhoeffer-Haus in der Marienburger Allee, Staatsbibliothek und Bibliothek der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität).

Die Fragestellung

Für das Buch „DIE FINKENWALDER RUNDBRIEFE“ sind vier Kapitel geplant:

I. Texte zur Konzeption des Predigerseminars und des Bruderhauses Finkenwalde;

II. Die 23 Rundbriefe aus dem Predigerseminar samt Beilagen (Meditationstexte, Predigten, Berichte, thematische Ausarbeitungen usw.) aus den Jahren 1935-1937;

III. Die 18 „persönlichen“ Rundbriefe Bonhoeffers an die Brüder aus den Jahren 1937-1942 (mit der staatspolizeilichen Schließung des Predigerseminars 1937 tauchte die illegale Theologenausbildung in hinterpommerschen Sammelvikariaten unter; die nun an die Finkenwalder Brüder abgehenden Rundbriefe mussten infolge staatlicher Vorschriften „persönliche“ Briefe sein);

IV. Umlaufbrief der Sigurdshofer Sammelvikariats-Kandidaten vom Sommer 1939 (Kladde mit Eintragungen aus den Jahren 1941-1946, die zwischen den sechs Teilnehmern und ihrem Inspektor Eberhard Bethge herumgeschickt wurde).

Das Buch wird einen Zeitzeugenbericht von Otto Berendts enthalten. Die Register (Zeittafel, Kursteilnehmer, Abkürzungen, Literatur, Bibelstellen, Personen, Sachen und Orte) werden die Benutzbarkeit des Buches fördern.

Die Finkenwalder Rundbriefe zeigen, wie Bonhoeffer seine Theologie in der Seminarausbildung umgesetzt hat und wie sie sich in den Texten und Berichten der Seminaristen widerspiegelt. Wichtig ist nicht nur, was in den Briefen gesagt wird, sondern auch dasjenige, was nicht gesagt bzw. bewusst verschwiegen wird.

Spannend ist das Verhältnis der Finkenwalder Rundbriefe zum Thema Widerstand. Ist das Thema Widerstand in der Seminarausbildung ausgeklammert worden, weil Bonhoeffer „entpolitisiert“ hat, oder hat seine Theologie auch in Finkenwalde die Möglichkeit und Notwendigkeit von Widerstand mitgedacht – obwohl der Widerstand nicht offiziell zum Thema gemacht werden konnte?

Und schließlich: Hat der Weg der Bekennenden Kirche in Finkenwalde an Gewissheit zugenommen, oder ist er allmählich in immer größere Zweifel und Ungewissheiten geraten?

Die Herausgeber

OTTO BERENDTS, geboren am 15. März 1911 in Berlin–Moabit. Ab 1929 juristisches, staatswissenschaftliches und volkswirtschaftliches Studium in Berlin; ab 1932 theologisches Studium; 28.3.1935 Erstes Theologisches Examen beim BK-Prüfungsamt Berlin; 1935/36 Vikariate in Berlin–Friedenau und Brandenburg/Havel; 1936/37 in Finkenwalde; 1937 Prädikant in Oranienburg bei Berlin; 14.12.1937 Zweites Theologisches Examen beim BK-Prüfungsamt Berlin; 16.12.1937 Ordination durch BK-Bruderrat in der Jesus-Christus-Kirche in Berlin–Dahlem; ab 1.11.1937 Pfarrstelle in Schermeisel/Neumark; 9.5.1938 Heirat mit Maria Vetter, Berlin–Friedenau; Februar 1940 bis Juli 1945 Militärdienst und amerikanische Gefangenschaft, Maria Berendts versieht die Gemeinde; ab Herbst 1945 Pfarrer in Berlin–Marzahn; ab 1.4.1949 Pfarrer in Berlin–Wittenau und Superintendent im Kirchenkreis Reinickendorf; 1.4.1969–1.4.1976 Oberkirchenrat im Kirchlichen Außenamt der EKD Frankfurt, Schwerpunkt Europa und Urlauberseelsorge Ausland; 7.5.1971 Tod Marias; 12.2.1973 Heirat mit Elma Waubke aus Bielefeld, Pastorin in Berlin–Tegelort; 1.4.1976 Ruhestand, ab Herbst 1976 in Detmold–Hiddesen; 1977–1985 Stiftspastorat im Wohnstift Collegium Augustinum Hiddesen. Gestorben am 29. September 2009 in Detmold.

KARL MARTIN, geboren 1945: Studium der evangelischen Theologie, Promotion zum Dr. phil. mit den Zusatzfächern Philosophie und Soziologie; Pfarrer in Hessen und Nassau; 1977–1984 Studentenpfarrer an der Universität der Bundeswehr in München, dort Mitbegründer des Dietrich-Bonhoeffer-Vereins, seit 1985 Vorsitzender.

ILSE TÖDT geborene Loges, geboren 1930: Studium unter anderem der völkerkundlichen Religionswissenschaft, 1957 Promotion in der philosophischen Fakultät der Universität Göttingen; 1957 Heirat mit dem Theologen Heinz Eduard Tödt (1918–1991, Herausgebersprecher der Dietrich Bonhoeffer Werke); ab 1961 Mitarbeit an der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft in Heidelberg; seit 1992 im Herausgeberkreis der Dietrich Bonhoeffer Werke; 1995 Ehrendoktorat der Theologie der Universität Basel.

Erscheinungsdatum

Die Publikation des geplanten Buches wird im Rahmen eines Forschungsprojektes, das an der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft e.V. in Heidelberg angesiedelt ist, von Ilse Tödt und Karl Martin vorbereitet. Die Forschungstätigkeiten sollen bis Ende Dezember 2011 abgeschlossen werden. Danach erfolgt die Vorbereitung der Drucklegung, sodass mit einem Erscheinen des Buches bis Mitte 2012 gerechnet werden kann.

Subskriptionsverfahren

Anfang 2012 wird es dem Verlag möglich sein, den Buchpreis und entsprechend den ermäßigten Subskriptionspreis bekannt zu geben.

Wenn Sie sicher gehen wollen, dass Sie von dem Subskriptionsangebot erfahren, können Sie sich jetzt schon in die Liste der Subskriptionsinteressenten eintragen. Ihnen wird dann das Subskriptionsangebot Anfang 2012 persönlich zugeschickt. Bitte nehmen Sie die Eintragung in die Liste der Subskriptionsinteressenten vor, indem Sie sich formlos an den Fenestra-Verlag wenden. Sie können die Eintragung auch direkt auf der Homepage des Fenestra-Verlages online ausführen.

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